Gastbeiträge

Ein Gespräch unter Müttern: Zwei Länder – zwei Schulsysteme

210930_Schule_01

Neulich unterhielt ich mich mit meiner Freundin, die in den Niederlanden geboren und aufgewachsen ist, über die Einschulung ihres ältesten Sohnes. Begeistert erzählte sie von der festlichen und sehr emotionalen Einschulung und ihrem stolzen Schulkind. Weiter erzählte sie, dass sie das deutsche Schulsystem im Vergleich zum niederländischen sehr fragwürdig findet. So war sie beispielsweise sehr erschrocken darüber, wie viele Kosten bereits vor Schulbeginn von den Eltern zu stemmen sind. Angefangen bei einem Schulranzen von über 200 Euro bis hin zu den Büchern, bestimmten Heften und Mappen sowie der Vorschrift besonderer Pinsel in den verschiedensten Größen. Somit ist man bereits vor dem Schulstart zusammen gerechnet ganz schnell mal 300 Euro los. Ob sich dies alle Familien leisten können, sei dahin gestellt.

In den Niederladen ist alles irgendwie unkomplizierter

In den Niederlanden hingegen werden ALLE Schulmaterialien von der Schule gestellt. Bücher und Hefte bleiben zu jederzeit in der Schule. Hausaufgaben gibt es keine! Somit brauchen die Kinder auch keinen überteuerten Schulranzen und gehen lediglich mit einem Rucksack in dem sich das Essen und Trinken, ähnlich wie der Kindergartenrucksack, befindet.

Stifte und Pinsel liegen für alle Schüler*innen in den Klassen bereit. Pinsel in vorgeschriebenen Größen bei Grundschulkindern – Wer hat sich diesen Quatsch überhaupt ausgedacht? Borsten- und Haarpinsel, große und kleine stehen gemischt in einem Glas während der Kunststunde auf der Mitte des Tisches für alle Kinder bereit. Manches Mal sind die Pinsel so hart, dass sie erst einmal wieder im Wasser aufgeweicht werden müssen. Jedoch ist in den Niederlanden irgendwie alles unkomplizierter, was das Thema Schule betrifft.

210930_Schule_03

Früher Schulschluss und kostspielige Betreuung

„Willem hat zwei Mal in der Woche um 11:15 Uhr Schulschluss und muss anschließend in die Betreuung, da ich bis 15 Uhr arbeite. Die Betreuung ist bei uns in der Region sehr kostspielig! Eigentlich verdiene ich das Geld nur um die Schulbetreuung meines Kindes zu finanzieren. Um ehrlich zu sein, kann ich dann auch meinen Job aufgeben und bin lieber für meinen Sohn da. Wenn ich Willem um 15:15 Uhr aus der Betreuung abhole, müssen wir zu Hause noch Hausaufgaben machen, da in der Betreuung nur Spiele gespielt werden oder die Kinder sich selbst überlassen sind. Hausaufgaben dürfen die Kinder zwar machen, aber es unterstützt und kontrolliert leider niemand. Mich ärgert das schon sehr, da wir oftmals bis 17 Uhr an den Aufgaben sitzen. Zeit für Hobbys oder Verabredungen bleibt da keine mehr. Zudem habe ich Angst, dass ich meinem Kind beispielsweise die Rechenschritte falsch/anders erkläre, denn ich bin nunmal keine Lehrerin.“

„In den Niederlanden haben alle Kinder von acht bis fünfzehn Uhr Schulunterricht. Eltern können somit Arbeit und Schule viel besser miteinander vereinbaren. Nach dem Unterricht ist auch wirklich Schluss mit Schule, denn es gibt keine Hausaufgaben. Der Nachmittag, an dem die Kinder keinen Gedanken mehr an Schulaufgaben verlieren müssen, steht ihnen für Hobbys, Sportaktivitäten oder Verabredungen zur Verfügung.“

Ein Vergleich der Lern-Qualität

Die Hauptergebnisse nach der Pisa-Studie zeigen, dass sich die Qualität der beiden Länder bezogen auf die Leistungen in Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften kaum unterscheiden. Während Deutschland bei der Lesekompetenz ein Durchschnittsergebnis von 498 hat, weisen die Niederlande ein Ergebnis von 485 auf. Ähnlich sieht es bei dem Fach Mathematik aus – 500 zu 519. Bei den Naturwissenschaften haben beide Länder ein Durchschnittsergebnis von 503. Somit unterscheiden sich beide Länder wirklich nur minimal in der Lern-Qualität, wobei man ganz deutlich sagen muss, dass die Kinder in den Niederlanden bessere Möglichkeiten haben die Freizeit zu gestalten.

Während des Gesprächs mit meiner Freundin Hendrika lauschte ich gespannt ihren Worten und konnte am Ende nur wenig hinzufügen. Ich war sichtlich angetan von dem unkomplizierten und tollen Schulsystem in den Niederlanden. Ich gab ihr recht, dass die Schulranzen völlig überteuert sind und es vollkommen egal bei Grundschüler*innen ist ob sie mit Pinsel Nummer 5 oder 8 malen. Ich finde es grandios, dass niederländische Schüler*innen nicht jeden Tag mit einem viel zu schweren Schulranzen in die Schule und wieder nach Hause laufen müssen und somit ihre Wirbelsäulen schonen. Und auch der Aspekt mit der Vereinbarkeit und den Hausaufgaben kann ich voll und ganz zustimmen.

Oftmals sind die Eltern doch nach einem anstrengenden Arbeitstag selbst erschöpft, müssen sich zu Hause angekommen um den Haushalt sowie das Zubereiten von Mahlzeiten kümmern und ab und an anfallende Termine wahr nehmen. Hinzu noch die Hausaufgaben der Kinder zu betreuen, muss meiner Meinung nach nicht die Aufgabe der Eltern sein. Oftmals erzeugen die Hausaufgaben nur unnötige schlechte Laune und Streit innerhalb der Familien. Was meinst du?

0 Kommentare zu “Ein Gespräch unter Müttern: Zwei Länder – zwei Schulsysteme

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.