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Als bei uns das Internet ausfiel, passierte etwas völlig Unerwartetes

Letzte Woche war bei uns in der Region plötzlich das Glasfasernetz weg. Und zwar nicht für zehn Minuten oder nicht für eine Stunde. Nein, bei uns ging mehrere Stunden lang tatsächlich gar nichts. Und während wir am Anfang noch alle ziemlich genervt waren und uns gegenseitig gefragt haben, ob das Internet beim anderen vielleicht doch irgendwie funktioniert, wurde es mit der Zeit erstaunlicherweise immer schöner. Denn plötzlich ging nicht mehr viel und genau deshalb passierte auf einmal ganz schön viel. Aber von vorne.

Erst waren wir alle ziemlich genervt

Wenn man einmal darüber nachdenkt, wie selbstverständlich das Internet inzwischen zu unserem Familienalltag gehört, merkt man erst, wie viel daran hängt, wenn es auf einmal nicht mehr funktioniert. Kein Telefon, keine WhatsApp-Nachrichten, keine Snaps, kein YouTube, kein Netflix und auch sonst ziemlich wenig von dem, was wir normalerweise eben so nebenbei machen. Von jetzt auf gleich ging davon alles nichts mehr. Sogar der Staubsauger verweigerte seinen Dienst. Und zu allem Übel war da dann noch der Thermomix. Der funktionierte natürlich ebenfalls nicht. Ich stand also irgendwann in der Küche, schaute auf dieses ziemlich nutzlose Gerät und dachte kurz: Na wunderbar. Jetzt fällt auch noch das Abendessen aus. Natürlich war das ein bisschen dramatisiert, aber du weißt, was ich meine. Wenn man es gewohnt ist, jederzeit etwas nachzuschauen, ein Rezept aufzurufen, eine Nachricht zu beantworten oder schnell noch irgendetwas zu googeln, fühlt sich ein kompletter Internetausfall erst einmal erstaunlich unpraktisch an.

Wir probierten noch ein bisschen herum, schauten auf unseren Router, starteten Dinge neu und hofften immer wieder, dass es jetzt doch endlich funktionieren würde. Aber irgendwann war klar: Das wird heute nichts mehr. Und dann geschah etwas, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte. Irgendwann lagen unsere Smartphones einfach auf dem Küchentresen. Sie lagen da einfach, weil sie plötzlich nicht mehr besonders interessant waren. Und je länger das Internet wegblieb, desto weniger schien es uns überhaupt zu fehlen.

Die Kids holten irgendwann Spielsachen heraus, die schon seit Ewigkeiten unbeachtet irgendwo herumlagen, und beschäftigten sich tatsächlich freiwillig damit. Es wurde gespielt, gelacht und geredet, und zwischendurch wurden Ideen gesammelt, was man eigentlich mal wieder gemeinsam machen könnte. Ich stand daneben und dachte: Ach. Guck an. Das geht also auch noch.

Besonders lustig fand ich, dass die Kids an diesem Tag ihre Vokabeln ganz klassisch lernen mussten. Normalerweise wird dafür natürlich die Lernapp genutzt. Handy raus, App auf, Vokabeln üben, fertig. Nur diesmal gab es keine App. Also wurden kurzerhand Karteikarten geschrieben und anschließend gegenseitig die Vokabeln abgefragt. Mit einem Stift auf kleine linierte Karteikarten. Ganz oldschool. Und das Verrückte daran war: Es hat funktioniert. Vielleicht sogar besser, als wir alle gedacht hätten. Ich musste jedenfalls ein bisschen darüber schmunzeln, dass wir inzwischen so daran gewöhnt sind, für fast alles eine digitale Lösung zu haben, dass sich ein paar Karteikarten plötzlich fast wie eine Zeitreise anfühlen.

Und dann wurden auch noch freiwillig die Zimmer aufgeräumt

Was danach passierte, war allerdings wirklich bemerkenswert. Die Kids haben freiwillig ihre Zimmer aufgeräumt. Ich wiederhole: freiwillig. Ohne Diskussion. Ohne „gleich“. Ohne „ich muss nur noch kurz…“. Ohne dass ich ungefähr siebenmal daran erinnern musste. Ich war ehrlich gesagt kurz versucht, den Router gar nicht mehr anzuschließen. Vielleicht ist das ja die Lösung für aufgeräumte Kinderzimmer: kein WLAN.

Auch der Fernseher lief an diesem Tag überhaupt nicht. Und irgendwann fragte ich mich tatsächlich, ob eigentlich noch jemand ganz klassisch Fernsehen schaut. Also so richtig mit Programm und festen Sendezeiten, bei denen man wissen muss, dass um 20.15 Uhr etwas beginnt und man dann auch tatsächlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher sitzen muss. Bei uns jedenfalls blieb der Fernseher aus. Kein Netflix, kein YouTube und kein „Wir schauen nur ganz kurz noch eine Folge“. Und je länger der Tag dauerte, desto weniger vermisste ich das alles. Das fand ich ehrlich gesagt ziemlich erstaunlich. Denn normalerweise sind es ja gar nicht die großen Dinge, die uns Zeit stehlen, sondern diese vielen kleinen Momente dazwischen: kurz aufs Handy schauen, schnell eine Nachricht beantworten, noch einmal etwas nachsehen, ein Video anklicken und dann vielleicht doch noch eines. Plötzlich gab es all diese kleinen Unterbrechungen einfach nicht.

Und dann musste sogar mein Kochbuch wieder ran

Am deutlichsten wurde mir der Internetausfall allerdings beim Abendessen. Ich wollte Fisch machen und dazu unbedingt eine passende Soße. Nicht einfach eine aus dem Tütchen, die man schnell mit ein bisschen Wasser oder Sahne anrührt, sondern eine richtig leckere Soße, die ein bisschen nach „Ich habe mir Mühe gegeben“ schmeckt. Normalerweise hätte ich wahrscheinlich meinen Thermomix bemüht oder irgendwo schnell nach einem passenden Rezept gesucht. Nur funktionierte der Thermomix ja nicht. Also habe ich etwas getan, was ich schon erstaunlich lange nicht mehr gemacht hatte: Ich habe ein richtiges Kochbuch aus dem Regal geholt. Und plötzlich war ich völlig versunken. Ich blätterte durch die Seiten und entdeckte ein Rezept nach dem anderen, das ich unbedingt mal ausprobieren möchte. Gerichte, die ich irgendwann einmal markiert oder mir vorgenommen hatte und die dann doch zwischen all den schnellen Alltagsrezepten und digitalen Inspirationen in Vergessenheit geraten waren.

Am Ende gab es dann Fisch mit Salzkartoffeln und einer köstlichen Zitronen-Quark-Soße. Und was soll ich sagen? Meine drei Jungs waren begeistert. Die Soße wurde gelobt, die Teller wurden leer gegessen und es wurde sogar nachgenommen. Ich war ziemlich zufrieden und dachte gleichzeitig: Vielleicht braucht man manchmal gar keine neue Inspiration, sondern muss einfach nur mal wieder ein altes Kochbuch aufschlagen.

Diese Stunden ohne Internet haben etwas mit uns gemacht

Je länger ich über diesen Tag nachdenke, desto mehr gefällt mir eigentlich, was da passiert ist. Denn wir hatten ja gar nichts Besonderes geplant. Wir waren nicht unterwegs, hatten keinen tollen Familienausflug und auch sonst kein spektakuläres Ferienprogramm. Eigentlich war einfach nur unser Internet kaputt. Und trotzdem fühlte sich dieser Tag irgendwann ganz besonders an. Wir haben miteinander geredet, gelacht und gespielt, die Kids haben ihre Vokabeln gelernt und freiwillig ihre Zimmer aufgeräumt, wir haben alte Spielsachen wiederentdeckt und gemeinsam überlegt, was wir eigentlich mal wieder machen könnten. Und vor allem waren wir einfach zusammen, ohne dass ständig irgendein Gerät um Aufmerksamkeit gebeten hat. Vielleicht war genau das der schönste Teil daran.

Seitdem denke ich tatsächlich darüber nach, ob wir so einen kleinen Internet-Ausfall nicht ab und zu einfach selbst veranstalten sollten. Nicht gleich für mehrere Stunden, vielleicht reicht ja erst einmal ein Abend. Fritz!Box aus. Handys weg. Fernseher aus. Und dann schauen wir mal, was passiert.

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