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Wenn Politik plötzlich am Küchentisch sitzt

Eigentlich wollte ich auf meinem Blog nie über Politik schreiben. Wirklich nicht. Hier geht es normalerweise um Familie, Kinder und all die kleinen und großen Dinge, die unser Leben ausmachen und uns Freude bereiten. Aber manchmal kommt ein Thema einfach zur Tür herein und setzt sich an den Küchentisch. So wie die aktuellen Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Wir haben einen Teenager und einen Preteen. Und natürlich bekommen sie mit, was in Deutschland passiert. Sie sehen Nachrichten im Fernsehen, hören Gespräche in der Schule und beim Sport, schicken sich Videos und stellen Fragen.

Das aktuelle Thema bei den Kids und ich bin mir sicher, nicht nur bei meinen eigenen: Die aktuellen Wahlergebnisse. Die AfD wurde in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern mit 38,2 Prozent stärkste Kraft. In Berlin kam sie auf Platz drei mit 16,3 Prozent. Zahlen, die man lesen und wieder weglegen könnte. Wenn da nicht zwei Kinder am Küchentisch sitzen würden, die plötzlich fragen: „Was bedeutet das jetzt?“, „Warum wählen so viele Menschen die AfD?“ und „Warum dürfen Kinder nicht mitwählen?“

Zwischen feinen Antennen und knallharter Wahrheit

Ich finde diesen Spagat gerade ziemlich schwierig. Unsere Teenager sind keine kleinen Kinder mehr. Sie wollen Antworten. Sie können politische Zusammenhänge verstehen. Sie haben ihre eigenen Meinungen. Und gleichzeitig haben sie diese unglaublich feinen Antennen. Sie merken natürlich, wenn wir Angst haben oder uns etwas wütend macht. Und sie merken auch, wenn wir versuchen, etwas schönzureden. Also was tun?
Wir versuchen, ehrlich zu sein ohne dabei Angst zu machen. Wir sagen unseren Kindern durchaus, dass uns manche Entwicklungen Sorgen bereiten. Dass wir traurig oder wütend sind, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Lebensweise abgewertet werden. Aber wir versuchen genauso, ihnen zu erklären: Ein Wahlergebnis bedeutet nicht, dass morgen alles anders ist. Demokratie besteht aus viel mehr als einer Wahl.

Was uns hilft: Wir schauen gemeinsam nach. Wenn eine Frage kommt, auf die wir selbst keine gute Antwort haben, sagen wir das. „Keine Ahnung. Lass uns herausfinden, was davon stimmt.“ Gerade bei Berichten auf den Social Media Kanälen oder in WhatsApp Chats finde ich das wichtig, denn dort kommen Fakten, Meinungen, Halbwahrheiten und manchmal bewusste Falschinformationen innerhalb weniger Sekunden zusammen. Wir versuchen unseren Kindern deshalb vor allem beizubringen, Fragen zu stellen: Sind das vielleicht Fake-News? Woher kommt diese Information? Wer sagt das? Gibt es eine verlässliche Quelle? Und manchmal heißt gute Medienkompetenz auch einfach: Handy aus. Nachrichtenpause. Erst einmal durchatmen.

Zum Glück gibt es Hilfe

Wir müssen unseren Teenagern Politik zum Glück nicht allein erklären. Wir schauen zum Beispiel gemeinsam „logo!“ vom ZDF. Dort werden aktuelle politische Themen verständlich erklärt und gerade rund um die Wahlen auch Fragen von Kindern und Jugendlichen aufgegriffen. Für ältere Kinder und Teenager finde ich „logo! no.front“ besonders spannend. Jugendliche diskutieren dort selbst über politische Themen und unterschiedliche Standpunkte.

Als Mutter informiere ich mich gerne in dem Podcast die Informantin von Sally Lisa Starken sowie dem dazugehörigen Instagram Kanal über aktuelle Geschehnisse und Fakten. Dort gibt es täglich kurz und knapp die neusten Nachrichten.

Über Politik reden ohne Angst zu schüren

Ich weiß nicht, ob wir es schaffen, über Politik zu sprechen, ohne dass dabei manchmal ein kleines bisschen Angst entsteht. Vielleicht muss das auch gar nicht so sein. Angst bedeutet ja manchmal einfach: Das hier ist mir wichtig. Aber wir möchten nicht, dass aus diesem kleinen Gefühl eine große Sorge wird. Eine, die unsere Kinder mit ins Bett nehmen. Eine, die sie nachts wachliegen lässt und ihnen das Gefühl gibt, dass morgen plötzlich alles anders sein könnte. Deshalb sagen wir ihnen gerade vor allem eines: Erst einmal passiert nichts. Morgen ist morgen. Ihr geht zur Schule, trefft eure Freunde und geht zum Sport. Ihr streitet euch vielleicht darum, wer zuerst ins Bad darf. Wir essen zusammen. Wir machen unseren ganz normalen Familienkram. Die Welt verändert sich nicht von heute auf morgen.

Und trotzdem dürfen Fragen da sein. Sogar ganz viele: „Was bedeutet das?“, „Kann das wirklich passieren?“, „Warum wählen Menschen so?“, „Muss ich mir Sorgen machen?“ und viele, viele mehr. Wir wollen diese Fragen nicht wegreden und schon gar nicht sagen: „Ach, das ist alles nicht so schlimm.“ Denn wir finden, unsere Kinder haben ehrliche Antworten verdient. Aber sie müssen auch nicht die ganze Welt verstehen. Und sie müssen sie schon gar nicht allein tragen. Vielleicht ist genau das gerade unsere Aufgabe als Eltern: Ihnen Sicherheit zu geben, ohne ihnen die Realität vorzuenthalten. Ihnen zuzuhören, ihre Fragen ernst nehmen und gemeinsam nach Antworten zu suchen. Und ihnen immer wieder zu sagen: Du darfst Fragen haben. Du darfst Angst haben. Du darfst anderer Meinung sein und vor allem musst du mit deinen Sorgen niemals allein bleiben.

Und jetzt würde mich wirklich interessieren: Wie ist das bei euch? Sprechen eure Kinder über die Wahlergebnisse? Haben sie Fragen oder vielleicht sogar Angst? Wie schafft ihr den Spagat zwischen ehrlichen Antworten und dem Wunsch, keine Angst zu schüren? Und welche kindgerechten Nachrichtenangebote helfen euch? Schreibt es mir gern in die Kommentare. Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit diesem Thema gerade nicht allein am Küchentisch sitzen.

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